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Mal was ganz anderes, seit 7 Monaten streikt die GDL (Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer), um ihre Forderungen unter Anderem nach einem Betreiberwechselterifvertrag durch zu setzen. Man kann sicher geteilter Meinung sein, ob diese Forderung gerechtfertigt ist oder nicht. Fakt ist aber: wir Pendler sind genervt. Überfüllte Züge sind die Folge, klar: die Züge die noch fahren, müssen alle Pendler und Tagestouristen plus Schulklassen und Rentnerbusse transportieren. Dank Internet bin ich eigentlich schon immer recht früh drüber informiert, ob am nächsten Tag mal wieder gestreikt wird, oder ich ganz normal zur Arbeit fahren kann. Hat sich die GDL erst mal entschlossen einen Nachschlag zu verpassen, dann kann ich erst mal eine halbe Stunde länger schlafen, muss aber mit einem überfüllten Zug fahren. (Abgesehen vom Streik ist der Zug eigentlich immer voll, Maler, Zimmerleute, Maurer, Büroangestellte und vielleicht noch 100 andere Berufsgruppen stolpern in diesen Zug.) Die verlorene Zeit muss ich aber dank Gleitzeit am Abend nachholen. Danke, liebe GDL und NOB für den abendlichen Nachschlag! 7 Monate lang bekommen die intelligenten Damen und Herren aus den Führungsriegen der GDL und NOB (oder sollte man besser Violia sagen, denn die NOB hat wohl eigentlich nix zu melden...) es nicht gebacken, sich an einen Tisch zu setzen und zu verhandeln und damit den Schaden von den Fahrgästen fern zu halten. Fahrgäste, was für ein Wort in diesen Tagen. Als Gast fühlt man sich in solchen Zügen schon lange nicht mehr. Wenn ich morgens im Pulk der "Fahrgäste" stehe und innerlich eine Wette eingehe, ob die Tür vor meinen Füßen zum stehen kommt oder nicht, ist die Welt noch in Ordnung, aber kaum dass der Zug zum Stillstand gekommen ist, baut sich schon eine bedrohliche Menge um mich herum auf: Die Sitzplatzkonkurenz! Und ich nenne sie bewusst Konkurrenten, denn es ist offensichtlich ein Sport der dort betrieben wird. Dem Boxen nicht ganz unähnlich: man wird auch schon mal in die Ecke gedrängt. Ellenbogen ausfahren! Kleine Schritte, um einen sicheren Stand zu behalten! Wachsame Augen, nicht dass man gleich überholt wird; schnell den Fuß dazwischen, sonst kommt er rechts an mir vorbei.... HA! Geschafft, erster im Gang zu den Sitzplätzen! Noch ist freie wahl, schon wird man fast bis in den nächsen Wagon geschoben. Sicheres einfädeln in die Sitzreihe ist hier wichtig und das möglichst ohne Zahnverluste oder Prellungen an den Rippen davon zu tragen. Platznehmen und verteidigen bis zum Endbahnhof. Da muss man das Wasserlassen auch mal seien lassen können. Wer jetzt glaubt es handele sich bei der Schilderung um einen Schulbus-Alltag der irrt. Es war die Rede von "erwachsenen Leuten". Ich schätze den Altersschnitt um die 36 Jahre. Benehmen sich aber wie die Kinder. Wat 'n gedränge! Doch es geht noch schlimmer: Wie der Zufall so will, platzt der Lokomotive der Turbolader (so ein Fahrgast lauthals berichtend). 10 Wagenladung Fahrgäste quetschen sich in den nächsten Zug, der nur 6 Wagen hat (plus den Fahrgästen die ja schon drinn saßen). Ich blieb mit ein paar anderen auf der Insel und wartete auf den Übernächsten Zug, also war ich dann eine Stunde später mit noch so einem überfüllten Zug ohne Sitzplatz, zu hause. Ich bin genervt und soooo machtlos. Es zermürbt einen und laugt einen aus. Wenn die Streiks einen nicht einen Strich durch die Lebensplanung machen, macht es die "Deutsche Bahn - Netz" mit Schienenbruch und eingefrohrenen Weichen oder ungesicherten Bahnübergängen,ach und ganz vergessen: Stromausfall im Stellwerk (hatten wir letztes Jahr bestimmt 3 mal). Oder auch die NOB mit ihren Leasinglokomotiven, die scheinbar nicht viel taugen. Im jahr bleibe ich bestimmt 4 mal wegen Lockschaden am Bahnhof stehen. Gäbe es eine Alternative, ohne finanziellen Verlust, ich wäre längst weg von der Insel. "Ich will zurück nach Westerland" ? Du kannst mich mal! Höchstens als Tourist. |